[Rezension] Hermann Hesse - Der Steppenwolf

Inhalt:

Harry Haller nennt sich selbst Steppenwolf. Er findet sich in der Welt mehr schlecht als recht zurecht, leidet an ihr, leidet an sich selbst. Es tobt ein Kampf in ihm: Harry gegen den Steppenwolf. Beide zusammen geht nicht. Wird Harry Erlösung finden können?

Meine Meinung:

Manche Bücher finden einem genau dann, wenn man sie braucht. Ich habe zuvor schon viel vom berühmten "Steppenwolf" gehört, aber irgendwie auch immer das Gefühl, dass mir das Buch sowieso nicht gefallen würde. Aber manchmal geht das Leben seltsame Wege und jemand drückt einem ein Buch in die Hand und Hey - wieso nicht?

Und dann kam die Zeit des Steppenwolfes und ich sass da, mit diesem Buch in der Hand und fragte mich, wie jemand so genau wissen konnte, wie ich mich fühle. Die Erkenntnis: Auch ich bin ein Steppenwolf. Dieses Buch traf mich an einer mir bisher unbekannten Stelle meiner selbst.

Natürlich bin ich somit also sozusagen "befangen", denn bei einer solch tiefen emotionalen Verschmelzung kann man nicht mehr wirklich rational über ein Buch urteilen. Da ich aber kein Literaturkritiker bin und es auch nicht sein will, versuche ich einfach, ein wenig über das Buch zu berichten.

Es ist nicht einfach, über Gefühle und die Gefühlswelt zu schreiben. Schon gar nicht, über ein solch schwieriges Thema wie das, was Harry Haller durchmacht. Wahrscheinlich werden nicht alle diese Züge verstehen können, oder was sie aus einem Menschen machen können. Glücklich, wer davon verschont bleibt!

"Der Steppenwolf" ist das Profil eines Aussenseiters, eines Menschen, der in unserer Gesellschaft keinen Platz hat. Der eben nicht funktioniert wie das Rädchen im Getriebe. Und daran zerbricht er mehr und mehr. Obwohl Harry das Bürgertum verabscheut, zieht es ihn doch immer wieder dorthin, wo es nach Putzmittel riecht. Dies ist der Kampf mit dem Steppenwolf.

Hesse beschreibt dieses Leiden, dieses Kämpfen, diese Suche sehr schön. Mitfühlend und doch unberührt. Als Erzähler hält er eine gesunde Distanz, hat aber ein scharfes Auge und nichts entgeht ihm. Auch dann nicht, als Harry den Zirkus betritt. Oder das Tanzen lernt.

Fazit:

Ein Buch, das ich bestimmt wieder zur Hand nehmen werde, da es mich tief bewegt hat. Eine faszinierende Darstellung eines Mannes und seiner Seele. Wundervoll beschrieben von Hermann Hesse.


Hermann Hesse
Der Steppenwolf
TB, 2007
Suhrkamp

978-3-518-45855-6

Kommentare

  1. Hallo Jari!

    Von dem Buch habe ich schon einiges gehört, aber ich hätte bisher nicht gedacht, dass es mich reizen könnte. Werde es mal auf meine Klassikerliste setzen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Nicole :)

      Es ist nicht unbedingt ein Buch für jedermann. Ich hatte das Glück, es im richtigen Moment lesen zu dürfen. Es freut mich, dass der Steppenwolf es auf deine Liste geschafft hat :) Am besten liest du es, wenn du richtig Lust darauf hast :)

      Viele Grüsse,
      Jari

      Löschen
  2. Hallo Jari,

    Ich hab den Steppenwolf bereits gelesen, leider aber schon viel zu lange her. Ich hoffe das gute Buch bald wieder in den Händen zu halten. Übrigens finde ich von Hermann Hesse Siddharta echt wunderbar. Kennst du das schon?

    Liebe Grüße
    Christopher

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Christopher,

      Ich hoffe auch, dass du bald wieder dazu kommst, dieses wunderbare Werk zu lesen. Siddharta habe ich auch gelesen, noch vor dem Steppenwolf - war auch ein sehr gutes Buch, wobei mir der Steppenwolf doch ein Stückchen besser gefallen hat.

      Viele Grüsse
      Jari

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Comic] Sarah Barczyk - Nenn mich Kai

[Rezension] Christie Golden - Schülerin der dunklen Seite

[Sonstiges] Noch einmal Hong Kong oder: Mein erstes Fotobuch