[Rezension] Jane Austen - Stolz und Vorurteil

Inhalt:

Mit fünf Töchtern gesegnet, aber keinem Jungen, steht die Familie Bennet vor gewissen Herausforderungen. Die Töchter müssen alle gut verheiratet werden, da das Erbe nur an einen Mann weitergegeben werden kann.

Vor allem Mrs.Bennet träumt von nichts anderem mehr, als den Hochzeiten ihrer Töchter. Als ein junger und noch dazu reicher Mann in die Nachbarschaft zieht, ist die Dame des Hauses sofort Feuer und Flamme. Und tatsächlich scheint Mr. Bingley Interesse an Jane zu finden...

Doch gerade dann macht Elizabeth Ärger: schlägt sie doch tatsächlich einen vielversprechenden Heiratsantrag aus! Aber nur allzubald folgt schon der nächste Antrag. Und der kommt ausgerechnet vom widerlichen Mr. Darcy. Oder ist er vielleicht gar kein so arroganter Mensch, wie angenommen?

Meine Meinung:

Im Ramen meiner "Autoren im Regal" gab ich Jane Austen noch einmal eine Chance. "Emma" habe ich vor einigen Jahren abgebrochen, mit der Hauptperson kam ich überhaupt nicht klar. Auch an dieses Buch ging ich ohne jegliche Erwartungen heran.

Jane Austen? Liebesgeschichten? Danke, muss nicht sein. Dieses elende Hin und Her und kriegt er sie und kriegt sie ihn geht mir extrem auf die Nerven. Am schlimmsten ist es, wenn noch irgendwelche Dreiecksgeschichten eingefädelt werden. Wie ihr seht, konnte das mit mir und Jane eigentlich gar nicht gut gehen.

Aber meistens kommt es anders als man denkt und ich gebe jetzt offen und ehrlich zu: "Stolz und Vorurteil" hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ausserordentlich gut sogar. Und darüber bin ich noch immer ziemlich verblüfft.

Im Gegensatz zu "Emma" war ich hier sofort in der Geschichte drin. Nur anfangs hatte ich einige Mühe, die verschiedenen Figuren auseinander zu halten. Es dauerte seine Zeit, bis ich wirklich wusste, wer wer war. Das ist eigentlich auch mein einziger, halber Kritikpunkt. Ansonsten habe ich an diesem Buch wirklich nichts auszusetzen.

Austen beschreibt in einer wundervollen Sprache von Jane und Elizabeth, die ich übrigens beide sehr mag und ihnen ihr Glück gönne. Elizabeth bewunderte ich für ihren Mut und die Fähigkeit, sich selbst auch in harten Zeiten treu zu bleiben. Das ist wirklich nicht einfach.

Die Autorin ist bekannt für ihre Beobachtungen der Gesellschaft im 19. Jahrhundert. In "Stolz und Vorurteil" tritt dies besonders zutage und auf diese Weise erhält der Leser einen unverblümten Blick in das damalige Leben. Teilweise war ich verblüfft, manchmal sogar schon entsetzt. Als Frau hatte man es zu dieser Zeit nicht gut getroffen. Zugegebenermassen fand ich Austens Charakterdarstellungen an einigen Stellen etwas zu übertrieben, vor allem die jüngsten Schwestern und die Mutter kommen gar nicht gut weg. Betrachtet man diese Übertreibung jedoch im Gesamtkontext wirken sie als Ausgleich zur ruhigen Jane und zur selbstbestimmten Elizabeth.

Dieser historische Hintergrund, der hier vermittelt wird, trug viel dazu bei, dass mir "Stolz und Vorurteil" so gefallen hat. Ich liebe Bücher, die nicht nur unterhalten, sondern auch Wissen vermitteln. Und Austen schafft das auf ihre Weise sehr gut, man erhält einen überaus lebendigen Eindruck und dank der schönen, geschwungenen Sprache hat das Buch seine ganz eigene Melodie.

Tja, und dann ist da noch die Liebesgeschichte. Oder eher die Liebesgeschichten. Denn nicht nur Mr. Darcy und Elizabeth kommen zum Zuge, sondern auch Mr. Bingley und Jane. Ja, ich gebe es ein wenig geniert zu: Ich habe mitgefiert und mitgehofft und mitgebangt. Zum Glück hat Jane Austen auf grossen Kitsch verzichtet (das hätte auch nicht zu Elizabeth gepasst) und konnte sich so sogar mich kritische Leserin begeistern. Kein Geschnulze, kein ewiges Hin und Her, sondern eine Annäherung, die Schritt für Schritt erfolgt. Beide müssen sich bemühen und einen Schritt aufeinander zu machen, um endlich glücklich zu werden. Hier stehen die Figuren und ihre Charaktere im Mittelpunkt und nicht seichte Liebeserklärungen. 

Ja, so sollen Geschichten erzählt werden!

Fazit:

Ein Buch, das mich wirklich überrascht hat. Nein, ich hätte nie gedacht, dass mir ausgerechnet das berühmte und viel geliebte "Stolz und Vorurteil" so gut gefallen würde. Dass ich so grossen Gefallen an einem Buch von Jane Austen finden würde. 

Ich bin also richtig, richtig froh, dass ich der Autorin nochmals eine Chance gegeben habe. Es hat sich definitiv gelohnt.


 

Jane Austen
Stolz und Vorurteil
1. Auflage, 2011
Null Papier

978-3-95418-014-1

Übersetzung: Karin von Schwab

Erstausgabe: Elisabeth und Darcy
Frundsberg Verlag, Berlin 1939

Kommentare

  1. Hallo Jari,

    dieser Klassiker steht relativ weit oben auf meiner Must-Read-Liste und jetzt hat's dir auch noch so gut gefallen. Deiner Rezension nach dürfte es ein wahres Schmuckstückchen sein, aber das mit der Liebe hat mich bisher auch immer abgehalten. Ok, dann werde ich dem Buch bald eine Chance geben. Am Ende des Jahres soll zumindest ein Jane-Austen-Roman gelesen sein und du machst mir Mut!

    Liebe Grüße,
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Nicole,

      Ich bin ja nun wirklich kein Freund von Liebesgeschichten, aber dieses Buch hier hat sogar mich überzeugt. Wie gesagt - dieser Fakt überrascht mich noch immer :D
      Nun bin ich gespannt, was du zu diesem berühmten Werk sagen wirst. Ich hoffe sehr, dass es dir auch gefallen wird :)

      Liebe Grüsse,
      Jari

      Löschen
  2. Hey Jari,
    lange Zeit habe ich nur den Film mit Keira Knightley gekannt und fand die Geschichte eigentlich ganz schön. Nach der BBC-Verfilmung mit sagenhaften 6 Stunden Story wollte ich dann doch das Buch mal lesen, weil im ersten Film ja doch sehr viel gekürzt wurde.
    Und das Buch ist auch sooo schön, die BBC-Verfilmung hat das richtig gut getroffen! Bisher habe ich sonst von Jane Austen nur "Northanger Abbey" gelesen und fand es grausam -.-
    Aber Emma liegt auch noch auf dem Stapel, mal schauen wie das wird.

    Liebe Grüße,
    Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Sandra,

      Um die Filme habe ich einen grossen Bogen gemacht, hatte aber trotzdem eine Keira Knightley-ähnliche Elizabeth im Kopf, während ich das Buch gelesen habe :D Nun machst du mich vor allem auf die BBC-Verfilmung neugierig, muss ich mir vielleicht auch mal ansehen.

      "Emma" habe ich damals abgebrochen, bin mal gespannt, was du dazu sagen wirst :) Ob ich jeweils wieder eine Jane Austen lese werde sei aber auch dahingestellt :D

      Liebe Grüsse,
      Jari

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Comic] Sarah Barczyk - Nenn mich Kai

[Rezension] Christie Golden - Schülerin der dunklen Seite

[Sonstiges] Noch einmal Hong Kong oder: Mein erstes Fotobuch