[Rezension] George R. R. Martin - Die Herren von Winterfell

Rückentext:
Eddard Stark, der Lord von Winterfell, lebt mit seiner Familie im kalten Norden des Königreichs Westeros, und er weiß, dass der nächste Winter Jahrzehnte dauern wird. Als der engste Vertraute seines Königs und alten Freundes Robert Baratheon stirbt, soll Eddard an dessen Stellen treten. Für die Zeit, die er am Königshof zubringen muss, überträgt Eddard die Herrschaft über Winterfell an seinen Erben Robb – während sich sein Bastardsohn Jon den Kriegern der Nachtwache anschließt. Doch Robert Baratheon ist nicht mehr der starke Herrscher, der er einst war, und um den Eisernen Thron scharen sich Intriganten und feige Meuchler. Eddard sieht sich plötzlich von mächtigen Feinden umzingelt und muss hilflos zusehen, wie seine vielköpfige Familie in alle Winde verstreut wird. Die Zukunft des gesamten Reiches Westeros steht auf dem Spiel…

Die Reihe gibt es zwar schon seit den 90er-Jahren, aber der Hype ist erst in letzter Zeit so richtig ausgebrochen, als "Game of Thrones" verfilmt wurde. Und seither kommt man weder um die Bücher, noch um die Serie herum. Und wieder einmal fragte ich mich, ob da wirklich etwas dran ist. Die meisten Hypes lasse ich nur zu gerne aus, aber hier wurde ich neugieriger und neugieriger. Und was soll ich sagen? Ich glaube, die Fangemeinde hat ein neues Mitglied.

Die Geschichte entführt uns nach Westeros, ein Kontinent der (noch) vom Sommer beherrscht wird. Die mittelalterlich angehauchte Welt wirkt bedrohlich, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Winter erst noch kommt. Immer wieder springen wir zu verschiedenen Charakteren, mit denen wir dann die Handlung erleben. Diese Sprünge sind einfach gehalten und sind deshalb wenig verwirrend.

Die politischen Intrigen, die überall geschmiedet werden, die unterschwellige Spannung und die aufkommenden Fragen brachten mich dazu, ganz und gar im Buch zu versinken. Um mich herum gab es nichts mehr, nur noch schmale Bergstrassen, zugige Schlösser und belebte Märkte. Martin hat sich viel Zeit genommen, sein Universum auszubauen und zu gestalten. Dies merkt man, indem man sich sofort zurecht findet und auch die Kälte des Buches direkt spürt. Gerne blätterte ich auch zu den Karten, die im Buch abgedruckt sind, um die Wege der verschiedenen Helden nachzuverfolgen.

Es stimmt, dass sehr viele Charaktere auftauchen (und ebenso viele auch wieder verschwinden), deshalb ist das Register am Schluss durchaus berechtigt. Dennoch sind die Figuren so gut beschrieben, dass ich fast keine Mühe hatte, sie auseinander zu halten. Natürlich habe ich ganz fest versucht, mich nicht zu fest an irgendwelche Charaktere zu binden - es gehört ja bereits zum Allgemeinwissen, dass hier wohl keiner lebend davonkommt. Trotzdem schaffte es "Die Herren von Winterfell" mich ein paar Mal eiskalt zu erwischen. Wenn man so tief in einer Geschichte drin ist, haut es einen dann beinahe doppelt um...

Das Lesen hat richtig viel Spass gemacht und es ist natürlich keine Frage, dass ich die Reihe weiter verfolgen werde. Ich hoffe sehr, dass die Folgebände genauso gut sind wie dieser hier. Was ich anführen muss, ist, dass man merkt, dass die deutschen Bücher aufgespalten wurden. Das Buch hat kein richtiges Ende, sondern hört einfach auf. Mittendrin, im wahrsten Sinne des Wortes. Auch muss ich zugeben, dass einige Personalpronomen verwirrend gesetzt sind, sodass ich beim Lesen an manchen Orten den Faden verlor.

Aber dies sind kleine Mankos und ansonsten bin ich voller Lob und Begeisterung. Tolles Buch, kann ich da nur sagen!
 
 

George R. R. Martin
Die Herren von Winterfell
Das Lied von Eis und Feuer
Broschiert, 19. Auflage 2010
Blanvalet

978-3-442-26774-3

Aus dem Amerikanischen von Jörn Ingwersen
Originalausgabe:  A Game of Thrones
Bantam Dell, 1996

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