[Bücher] Patrick DeWitt - The Sisters Brothers

Rückentext:
Hermann Kermit Warm wird sterben. Sein Tod wurde von dem „Kommodore“ befohlen, und die Brüder Charlie und Eli Sisters werden den Auftrag ausführen. Sie machen sich auf den Weg von Oregon nach Kalifornien, wo sie Warm aufspüren sollen. Ihre Reise durch den vom Goldrausch geprägten amerikanischen Westen wird dabei immer wieder von bizarren und blutigen Begegnungen unterbrochen. Zugleich zeigt sich, wie verschieden die beiden Brüder sind: Charlie ein eiskalter, skrupelloser Killer – Eli ein Grübler, der sich mit geradezu existenziellen Fragen beschäftigt. Als die beiden schließlich in Kalifornien eintreffen, nehmen die Ereignisse erneut eine höchst unerwartete Wendung ... Amazon

Meine Meiung:
Auch dieses Buch fiel mir in der Bibliothek auf. Das Cover hat mich einfach neugierig gemacht und noch bevor ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, wusste ich, dass ich das Buch mit nach Hause nehmen würde. Ehrlich gesagt, wirklich viel vom Klappentext habe ich nicht gelesen, denn unterbewusst hatte ich längst beschlossen, "The Sisters Brothers" zu lesen.

Ich bin anfangs auf ein paar Rezensionen zum Buch gestossen, die alle eher mittelmässig waren. Von Hängern war die Rede, also hoffte ich einfach mal auf das Beste. Und das erhielt ich dann auch. Man sollte unbedingt erwähnen, dass man nicht mit den falschen Erwartungen an die Geschichte herangehen sollte. Wer einen wilden Western im Hollywood-Stil erwartet, wird enttäuscht werden. Ebenso all jene, die an eine Parodie im Sinne von "Wild Wild West" denken.

"The Sisters Brothers" ist weder das eine, noch das andere. Zwar spielt es im Wilden Westen und ja, es gibt Schiessereien und Blut, aber überraschenderweise ist es ein eher philosophisches Buch. Aber sehr gut verpackt. Auch ich musste mich erst reinlesen, bis mir einiges klar wurde.

In diesem Buch geht es um das Leben, den Tod und darum, sich selbst zu finden. Eine Art Coming-of-Age-Geschichte mit erwachsenen Anti-Helden. Es geht um die Beziehung zweier Brüder, die das Leben an einen Punkt geführt hat, den man auch den Point Of No Return nennen könnte. Um einen Punkt in ihrem Leben, in dem sich alles verändern wird und der kleine Bruder plötzlich der grosse Bruder wird.

Es ist ein Blick in die Seele eines Auftragsmörders, der eigentlich lieber ein Geschäft aufmachen möchte und sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Frau an seiner Seite zu haben. Ein Romantiker, der am falschen Ende der Nahrungskette gelandet ist. Eine feine und zartfühlende Seele, die genau weiss, wie man Menschen umbringt.

Klar wurde mir das, als Eli von seinem Pferd erzählte. Es war kein gutes Pferd, lahm und unbeholfen. Aber treu und ihm ergeben. Als Eli ein sehr gutes Pferd hätte haben können, wirft er einen Blick auf sein Tier und hat Mitleid. Mitleid mit seinem Pferd und deshalb behält er es. Diese Szene war für mich, als hätte man Licht in einem dunklen Zimmer entzündet. Eli ist nur seinem Bruder zuliebe in dieses Milieu hineingeraten. Er passt dort nicht hin, er fühlt sich nicht wohl und dennoch tut er es.

Genau deshalb hat mir "The Sisters Brothers" sehr gut gefallen. Eli ist ein Anti-Held mit dem ich mich dennoch gut identifizieren konnte. Er verkörpert den empfindsamen, weichen Teil einer jeder Seele, während sein Bruder der harte, kalte Part ist, den man in der Öffentlichkeit gerne zur Schau stellt.

Zwar hatte ich auch ab und zu etwas Mühe mit dem Lesefluss, aber ich führe das auf mich selber zu. In der letzten Zeite hatte ich zu viel Stress, um mich in Ruhe in ein englisches Buch zu vertiefen. Doch kaum hatte ich wieder etwas mehr Zeit, berührte DeWitt mich wieder ganz tief in meiner Seele und die Sisters Brothers, aber vor allem Eli, sind mir selbst wie Brüder geworden.


Patrick DeWitt
The Sisters Brothers
TB, 2001
Granta Publications

978-1-84708-318-0

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