[Rezension] Paul Auster - Reisen im Skriptorium

Rückentext:
Eine wagemutige Reise in die Phantasie? Ein Blick hinter den Spiegel? Paul Auster legt ein geheimnisvolles Puzzle aus und erforscht im gewagten Spiel mit dem Leser das metaphysische Terrain von Sprache, Bewusstsein und Zeit.

Meine Meinung:
Als ich letzte Woche in der Bibliothek war, fiel mir dieses Buch in die Hände. Es war bei den aussortierten Büchern, Kostenpunkt 1 CHF. Das ist wenig für ein kaum gelesenes Hardcover-Buch meines Lieblingsautoren. Gelesen wurde das gute Stück natürlich umgehend.

Und wieder einmal beweist Paul Auster, dass er es schafft, Schriftsteller zum gefährlichsten Beruf der Welt zu machen. Wieder einmal tauchen wir ab in einer Geschichte innerhalb einer Geschichte und zumindest ich konnte nicht umhin, mir zusammenzureimen, was nun wie wo zusammenhängt.

Doch das ist hier gar nicht so einfach. Wir haben zu wenige Anhaltspunkte, es könnte alles sein und nichts. Wer war/ist Mister Blank? Was hat es mit all diesen Menschen auf sich? Wieso ist er eingesperrt? Auster lässt viele Fragen offen, überlässt es der Fantasie des Lesers, passende Antworten zu finden. Genauso wie es Mister Blank überlassen wird, Grafs Geschichte zu beenden.

Beim Lesen hoffte ich stets, dass noch ein paar mehr Geheimnisse gelüftet werden, doch insgeheim wusste ich, dass dem nicht so sein wird. Ich rätselte, fieberte, rechnete - nur um dann auf den letzten Seiten mit einem grossen Knall entlassen zu werden. Genau deshalb ist Paul Auster einer meiner Lieblingsautoren. Ich liebe diesen Stil. Es ist alles da, aber zusammenreimen muss man es sich selbst.

Es gab jedoch ein paar kleine Punkte, die mir weniger gefielen, aber ich denke, Auster hat die ganz gewollt eingebaut. Sexualität im Alter ist ein Tabu-Thema, das der Autor hier geschickt einfädelt. Nur beim zweiten Mal war es in meinen Augen sexuelle Belästigung, was aber auch zur Figur von Mister Blank passt. Diese Szenen, in denen ich mich als Leser unwohl fühlte, haben also ihre Daseinsberechtigung. Dennoch interessiert es mich nicht, wie viel Stuhl Mister Blank aus seinem Anus drückt, das ist in meinen Augen auch für die Geschichte irrelevant.

 

Paul Auster
Reisen im Skriptorium
Hardcover mit Schutzumschlag, 1. Auflage 2007
Rowohlt

978-3-498-00074-5

Aus dem Englischen von Werner Schmitz
Originalausgabe: Travels in the Scriptorium
Henry Holt, New York 2006

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Comic] Sarah Barczyk - Nenn mich Kai

[Rezension] Christie Golden - Schülerin der dunklen Seite

[Sonstiges] Noch einmal Hong Kong oder: Mein erstes Fotobuch