[Rezension] H.G. Wells - Die Zeitmaschine

Rückentext:
Ein Untertan Ihrer Majestät Queen Victoria, der namenlose »Zeitreisende«, erzählt seinen Freunden von seiner Erfindung: einer fahrradähnlichen Maschine, die Vor- und Rückwärtsbewegungen auf der Zeitachse, mithin also die Erforschung des Schicksals der menschlichen Spezies ermöglicht. Während einer Demonstration entschwindet der Erfinder und taucht erst acht Tage später wieder auf. Wunderliches hat er zu berichten aus dem Jahr 802701, wo für die kindlich-zutraulichen Eloi alle Menschheitsträume in Erfüllung gegangen zu sein scheinen. Doch die Idylle trügt...

H. G. Wells' 1895 erschienener Roman wurde zum oft nachgeahmten, aber nie erreichten Vorbild: Mit ihm eröffnete der geniale Visionär die Reihe der in unserem Jahrhundert bedeutenden literarischen Gegenutopien, die sich apokalyptischer Bilder bedient, um eine humane und gerechte Welt anzumahnen.

Meine Meinung:
Auch ein berühmter Klassiker, den ich seit Jahren lesen möchte. Zum Glück schaffe ich es doch hin und wieder, mir solche Lesewünsche zu erfüllen und nun kann ich auch die überaus berühmte Zeitmaschine von meiner Lese-Wunschliste streichen.

Anfangs erging es mir ähnlich wie bei "Dr Jekyll & Mr Hyde" - die Geschichte ist anders als erwartet. Ganz anders. Wells reist nicht nur in die nahe Zukunft, in der in den meisten Visionen die Maschinen die Menschen verdrängt haben, sondern er geht noch ein paar Jahrtausende weiter. Nur schon diesen mächtigen Sprung musste ich erst einmal verarbeiten.

Wo ich also Roboter, Maschinen und Düsternis erwartet hatte, bekam ich einen Garten Eden, Kindmenschen und süsse Früchte. Dass natürlich nicht alles so ist, wie es scheint, wird uns allen schnell klar. Wells' Voraussicht ist ebenfalls ziemlich beängstigend, wenn man sich diesen Zustand aus heutiger Sicht durch den Kopf gehen lässt.

Aber im ersten Moment wusste ich wirklich nicht, was ich mit diesem Buch anfangen sollte. Erst im Rückblick eröffnet sich das gesamte Bild. Ich musste erst einen Schritt zurücktreten, um mir eine differenzierte Meinung bilden zu können. Wenn die ersten Erwartungen enttäuscht werden, blockt man erst einmal ab und es braucht seine Zeit, bis man das Andersartige akzeptieren kann.

Unterdessen ist mir die well'sche Zukunftsvision öfter durch den Kopf gegangen und auch wenn die Theorie, die der Zeitreisende im Buch aufstellt, nicht belegt werden kann, so ist sie doch durchaus greifbar. Der Mensch, der sich in seinem bequemen Leben einnistet und dadurch mehrere Schritte die Evolutionstreppe hinab schreitet. Hier bietet das Buch sehr viel Diskussionsstoff. Der Mensch wird sozusagen in Freilandhaltung gehalten, ab und zu verschwindet einer, aber ansonsten haben sie ein gutes Leben - inwieweit können wir das, auch in Hinblick auf unser heutiges Verhalten gegenüber den Tieren, akzeptieren?

Nun bin ich auf jeden Fall auf weitere Bücher von H.G. Wells gespannt. "Krieg der Welten" ist auch eines jener Bücher, die ich seit Ewigkeiten lesen möchte. Mal sehen, wann es so weit sein wird. Wird es auch so anders sein wie "Die Zeitmaschine"? Oder sich doch eher in Richtung Mainstream bewegen? Welche Themen wird der Autor dort ansprechen? Ich freue mich auf jeden Fall schon jetzt auf die Lektüre!


H.G. Wells
Die Zeitmaschine
TB, 1974
Diogenes

3-257-20172-9

Aus dem Englischen von Peter Naujack
Originalausgabe: The Chronic Argonaut
The Science Schools Journal, 1888

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