[Rezension] Gerhard Falkner - Romeo oder Julia

Rückentext:
Kurt Prinzhorn ist zu einem Schriftstellertreffen nach Innsbruck eingeladen, wo ihm Merkwürdiges widerfährt: Jemand muss während seiner Abwesenheit ein ausgiebiges Schaumbad in der Wanne seines Hotelzimmers genommen und dort bewusst Spuren hinterlassen haben. Die Chipkartenschließanlage der Tür zeigt jedoch kein fremdes Eindringen an. Als nächstes verschwindet der Schlüsselbund des zunehmend ratlosen Autors. Während einer Moskau-Reise wenige Tage später kommt es zu neuen Unerklärlichkeiten, und auch in Madrid, wo Prinzhorn als Stipendiat eine alte Geliebte besucht, reißt die Kette seltsamer Geschehnisse nicht ab – bis ihm durch Zufall das Puzzle der Erinnerung zu einem Bild zusammenfällt, das ihn weit in die eigene Biographie zurückführt...

Meine Meinung:
Als die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2017 veröffentlicht wurde, hörte ich mir die dazugehörigen Hörproben der Titel an. Der einzige, der mich wirklich interessierte, war Gerhard Falkners "Romeo oder Julia". 

Während alle anderen Bücher nach den eher typischen Geschichten der Höheren Literatur klangen, war dieses hier mal etwas Anderes und stach erfrischend aus der Masse heraus. Dass Falkner den Preis nicht gewinnen kann, ist mir während des Lesens klar geworden, was aber nicht heisst, dass es kein gutes Buch ist.

"Romeo oder Julia" beginnt verrückt und wird auch immer seltsamer. Falkner nimmt sich eines bekannten Themas an (nein, ich verrate nicht welches, da das den Spass am Buch nehmen würde!) und verarbeitet es auf eine neue Art und Weise. Das Ende selber war dann, wenn man das Buch als Ganzes betrachtet, leider eher etwas mau.

Doch wodurch sich dieser Titel wirklich auszeichnet, ist Falkners Humor. Viele Werke, die sich im literarischen Bereich bewegen, sind meistens eher düster, traurig, nachdenklich... aber auf keinen Fall lustig. Sowas gehört sich nicht für das gehobene Milieu. Damit, dass Gerhard Falkner es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, zeigt er aber, dass dem nicht so sein muss.

Zusammen mit Kurt Prinzhorn reisen wir durch Europa, treffen jede Menge Leute und erleben merkwürdige Dinge. Die Haare in der Badewanne sind da nur der Anfang. Genauso wie Kurt tappt der Leser eher im Dunkeln, was diese mysteriösen Zwischenfälle betrifft. Dafür gibt es immer mal wieder kleinere und grössere Hinweise auf die Lösung.

Trotz der wirren Ereignisse geht die Handlung eher ruhig vonstatten. Gespräche sind ein wichtiger Teil davon, aber auch Kurts Gedankengänge. Oftmals wusste ich gar nicht so genau, wohin die Geschichte uns bringen oder ob es überhaupt eine Lösung geben wird. Das störte mich persönlich jedoch nicht im Geringsten, ich genoss einfach die Lektüre um der Lektüre willen.


Gerhard Falkner
Romeo oder Julia
HC mit Schutzumschlag, 1. Auflage 2017
Berlin

978-3-8270-1358-3

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