[Rezension] Kazuo Ishiguro - Never Let Me Go

Rückentext:
In one of the most memorable novels of recent years, Kazuo Ishiguro imagines the lives of a group of students growing up in a darkly skewered version of contemporary England. Narrated by Kathy, now 31, Never Let Me Go hauntingly dramatises her attempts to come to terms with her childhood at the seemingly idyllic Hailsham School, and with the fate that has always awaited her and her closest friends in the wider world. A story of love, friendship and memory, Never Let Me Go is charged throughout with a sense of the fragility of life.

Meine Meinung:
Schon lange mal wollte ich etwas von Kazuo Ishiguro lesen, hatte ich doch schon viel von ihm gehört. Positives durchwegs. Als er dann den Literaturnobelpreis gewann, war das für mich das Signal, diesen Plan endlich in die Tat umzusetzen.

Also holte ich mir "Never Let Me Go" in der deutschen Übersetzung aus der Bibliothek. Nur um es zwei Tage später wieder zurückzugeben. Ich hatte 20 Seiten geschafft und dann frustriert aufgegeben. Die Kathy in der Übersetzung ging mir schon nach wenigen Seiten dermassen auf die Nerven, dass ich es mit ihr nicht mehr aushielt.

Also holte ich die englische Version. Und siehe da - das, was mir auf deutsch hochnäsig und überheblich vorkam, war im Original eine nachdenkliche und philosophische Stimme. Ruhig und definitiv ein unzuverlässiger Erzähler, aber der englischen Kathy hörte ich gerne zu. Während die deutsche mir vorkam wie eine ältere Tante, die einen zutextet und natürlich immer alles besser weiss.

Erst im Englischen entfaltet sich Ishiguros Sprache völlig, seine Sprachmelodie, die sich fast schon im Ohr des Leser festsetzt, obwohl er keine Noten, sondern Worte verwendet. Das hat mich wirklich beeindruckt. Ohne grosse Kunststücke schafft es Ishiguro, einen wundervoll klingenden Text zu produzieren, erzählt durch Kathy. Dies alles ging in der deutschen Übersetzung verloren.

Kathy schreibt ihre Erinnerungen an Hailsham und vor allem an ihre Freunde Ruth und Tommy nieder. Man kann ihren Erinnerungen nicht immer trauen, aber das gibt sie selber zu. Wir wissen ja selber wie das mit dem Erinnern so ist. So breitet Kathy ihre Lebensgeschichte vor uns aus, die sich vor dem Hintergrund eines alternativen Englands abspielt.

In dieser Welt funktionieren ein paar Dinge anders, was genau, muss der Leser erst noch herausfinden, denn Kathy als Erzählerin geht davon aus, dass wir in derselben Welt leben und genau wissen, was Sache ist. Dies macht ihre Figur glaubhafter, denn für Kathy gibt es nur diese eine Welt. Dennoch lösen sich dann einige Frage mit der Zeit.

Überhaupt liest sich das Buch wie ein Puzzle. Wir bekommen hier einen Teil, dort eine Szene, und müssen es schlussendlich selber richtig zusammensetzen. Manchmal hilft uns Kathy, sie ist immer dabei und schaut uns während des Puzzelns über die Schulter. Aber oft lässt sie uns auch einfach mal und schaut, was dabei herauskommt.

Dennoch konnte mich "Never Let Me Go" nicht ganz so überzeugen, wie es scheinbar bei anderen Lesern der Fall ist. Schlussendlich wollte ich noch mehr über Kathys Welt erfahren, doch einiges blieb unbeantwortet und dies nagt nun ziemlich an mir. Ich wollte tiefer gehen, aber nur durch Kathys Bericht ist dies nicht möglich.

Ich gehe davon aus, dass man dieses Buch im Gesamtbild mit den anderen Werken Ishiguros vielleicht besser verstehen kann. Da dies mein erstes Werk von ihm ist, fehlt mir vielleicht auch das eine oder andere Puzzleteil. 

Nur schon deswegen bin ich nicht abgeneigt, wieder etwas von Kazuo Ishiguro zu lesen. Und natürlich seiner schönen, melodiösen Sprache wegen. Ich bin gespannt, was mich erwarten wird.


Kazuo Ishiguro
Never Let Me Go
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