Montag, 29. August 2016

[BücherGebrabbel] Geschichten, die das Leben schreibt


Es gibt bald wieder eine Rezension von mir - keine Sorge! Aber damit hier nicht ganz tote Hose herrscht, möchte ich euch eine Geschichte erzählen, die mir eben erst passiert ist. Da mich das irgendwie aufgestellt hat, möchte ich die Anekdote hier teilen.

Vor einigen Monaten habe ich mir über Amazon ein Buch bestellt. Es ist ein Fanbuch zu dieser Serie und natürlich richtet sich das Buch in erster Linie an Kinder, aber einen richtigen Fan hält das natürlich nicht auf ;) Ausserdem hatte auch ich meinen Spass mit den Rätseln und den Texten.

Auf der letzten Seite entdeckte ich dann etwas sehr Niedliches: Der Verlag bot in Zusammenarbeit mit Hasbro (jaja, unser liebster Spielzeugriese) einen Wettbewerb an, in dem die Kinder ein Spielzeug zur Serie gewinnen konnten. Der erste Besitzer hat den Wettbewerbstalon liebevoll ausgefüllt, aber nie abgeschickt.

 Der Junge war damals acht Jahre alt und hat sogar ein Bild in den Talon gezeichnet. Mir ging da fast das Herz über. Also machte ich mich kurzerhand daran, den Jungen von damals zu finden. Erste Anlaufstelle ist heutzutage natürlich Facebook.

Da fand ich dann auch jemandem mit einem ziemlich ähnlichen Namen und schrieb die Person einfach mal an. Wochenlang hörte ich nichts und dachte schon, dass wars dann. Wäre ja auch nicht schlimm gewesen. Aber dann meldete sich der junge Mann doch noch!

Und tatsächlich habe ich den kleinen Jungen von damals gefunden und es entstand ein sehr angenehmes Gespräch. Er meinte, er hätte sich gar nicht mehr an die Serie erinnert, bis ich damit aufgekreuzt wäre. Ausserdem dachte er, ich hätte das Buch für mein Kind gekauft. Stimmt irgendwie. Für mein Inneres Kind nämlich.

Die modernen Medien werden ja gerne von allen Seiten verflucht, aber ohne diese Medien hätte ich dieses Buch niemals bekommen und dieses nette Gespräch hätte gleich zwei Mal nicht statt gefunden. Hätte ich das Buch nicht gehabt, hätte ich den Jungen nicht gesucht. Hätte ich Facebook nicht gehabt, hätte ich den Jungen nicht gefunden. 

Alles hat seine guten und seine schlechten Seiten. Mir hat dieser Austausch sehr viel Freude bereitet und es war für mich ein sehr schönes Erlebnis!

Sonntag, 14. August 2016

[Rezension] Thomas Binotto - Vom Osterhasen zum Christkind


Rücktentext:
Wir alle kennen den Osterhasen. Aber wissen wir auch, woher er kommt und wofür er steht? - Weshalb hat ausgerechnet der Reformator Martin Luther das Christkind als "Geschenklieferant" erfunden? - Und warum ist Halloween mehr als ein Marketing-Gag?

Meine Meinung:
Auch dieses Buch habe ich im Zuge meiner neuen Stelle gelesen, da es da natürlich zum Allgemeinwissen gehört, wann und warum welches Fest gefeiert wird. Deshalb wollte ich mich mal etwas tiefer mit den christlichen Feiertagen (vor allem auch den katholichen) beschäftigen.

Um einen groben Überblick zu erhalten eignet sich "Vom Osterhasen zum Christkind" ausserordentlich gut, Binotto wartet mit einer gut gewählten Portion Informationen auf und erzählt teilweise auch mit einem Augenzwinkern. Zu den Hintergrundinformationen zu den Feiertagen fügt der Autor ausserdem ein paar Tipps ein, wie man an diese Tage herangehen könnte. Dies sind jedoch bloss Gedankenhilfen, keine Anleitungen - dies fand ich ebenfalls sehr sympathisch.

Die Feiertage sind so angeordnet, dass sie dem Kirchenjahr entsprechen. Man beginnt also anfangs Dezember und endet im November. Die Jahreszeiten werden durch schöne Bilder getrennt, sodass man in etwa weiss, was auf einen zukommt. Der Elster Verlag ist in Zürich ansässig, Binotto selbst lebt in Schaffhausen, deswegen überrascht es nicht, dass der Autor vor allem auf Schweizer Traditionen eingeht, worüber ich sehr froh bin. Aber der Autor greift auch immer wieder Traditionen aus anderen Ländern auf, sodass man einen schönen Überblick und gleichzeitig spannende Vergleiche erhält.

Als durchaus positiv empfand ich die Haltung des Autoren. Er versucht nämlich an keiner Stelle, den Leser zu missionieren oder ihn dazu zu bewegen, regelmässig zur Kirche zu gehen. Binotto hat einen aufgeklärten, aktuellen Sinn für die heutige Art, Religion auszuleben und weiss, dass ein erhobener Zeigefinger oft nicht hilfreich ist. Deshalb lässt er ihn weg und schaffte es dadurch, mich neugierig zu machen auf alte Brauchtümer und Gepflogenheiten.

Dieses Buch eignet sich für Neugierige, die ihr Wissen auffrischen wollen, oder für Eltern, die ihren Kindern erklären wollen, weshalb wir Ostern und Weihnachten feiern oder an manchen Tagen frei haben. Leute, die sich jedoch bereits tief mit diesen Themen befasst haben, werden hier nichts Neues erfahren, da auf den knapp 140 Seiten nur an der Oberfläche gekratzt wird. Für tiefergehende Recherchen sind andere Titel besser geeignet.

Mich störte eigentlich nur ein Punkt an diesem Buch. Nämlich, dass an vielen Stellen die Schriftart und die Zeilenabstände geändert wurden. Dies kann man zwar nachvollziehen, da es sich bei diesen Abschnitten um Gedanken oder Ideen Binottos handelt, jedoch stört es den Lesefluss arg. Durch die Titelgebung wird der Leser schon zur Genüge darauf hingewiesen, dass hier nun keine Informationen, sondern Gestaltungsvorschläge und persönliche Gedanken des Autoren folgen. Gestaterlische Aspekte hätte man also nicht zusätzlich einfügen müssen.


Thomas Binotto
Vom Osterhasen zum Christkind
Christliche Feste im Jahresverlauf
HC mit Schutzumschlag, 2011
Elster

978-3-907668-84-9

Montag, 1. August 2016

[Rezension] Simenon - Maigret und Pietr der Lette

Rückentext:
Kommissar Maigrets erster Fall. Interpol sucht Pietr den Letten, der mit dem Nordexpreß auf dem Weg nach Paris ist. Auf Gleis 11 wartet Kommissar Maigret. Amazon

Meine Meinung:
Von Simenon habe ich vor einigen Jahren bereits einen Titel gelesen. Es war kein Maigret und das Buch hat mir auch nur mässig gefallen. Als ich auf der Suche nach einem geeigneten Titel für die "Oldie But Goldie"-Challenge durch die Bibliothek stöberte, fielen mir dann aber die Maigret-Romane in die Hände. Kurz darauf nahm ich Maigrets ersten offziellen Fall mit nach Hause.

Nur um dann kurz darauf zu begreifen, weshalb die Reihe so viele Fans hat. Es ist ein kurzes Büchlein, keine 200 Seiten, aber ganz viel Inhalt. Vor allem aber lebt der Kriminalfall durch seinen Ermittler: Maigret ist mir durch und durch sympathisch, einen Helden, wie ihn nur das Leben zeichnen kann. Er ist kein heroischer Ermittler, sondern ein ganz normaler Mann mit Ecken und Kanten. 

Simenons Schreibstil passt zu seiner Figur, bzw. die Figur zur Schriftsteller. Hier haben sich zwei gefunden, die einfach zusammengehören. Der Autor zeichnet in klaren Worten Bilder, die einfach nur eindrücklich sind und uns den Ermittler auf eine unbekannte Weise nahe bringen. Maigrets Grösse und seine stoische Ruhe erinnern ihn mehr als nur einmal an den berühmten Felsen im Fluss.

Jedoch gebe ich gerne offen zu, dass ich der Ermittlung nicht immer ganz folgen konnte. Doch tat dies dem Lesegenuss keinerlei Abbruch, ich folgte einfach Maigret, machte mir meine eigenen Gedanken und liess mich von der Geschichte treiben.

"Maigret und Pietr der Lette" ist für mich somit ein tolles Highlight, das Lesen hat mir nicht nur sehr viel Freude bereitet, sondern war auch ein Erlebnis für sich. Immer wieder hielt ich inne, liess das Gelesene auf mich wirken. Das hätte ich dem unscheinbaren Diogenes-Büchlein anfangs wirklich nicht gegeben. Somit ist für mich klar, dass ich bald die nächsten Fälle lesen werde.

Für Krimifans, die es etwas gemütlicher mögen, und natürlich für Liebhaber der klassischen Literatur eine Empfehlung ohne Wenn und Aber!


Simenon
Maigret und Pietr der Lette
TB, 1999
Diogenes

3-257-20502-3

Originalausgabe: Pietr-le-Letton
1929

Samstag, 30. Juli 2016

[Rezension] Gerd Lüdemann - Der älteste christliche Text

Rückentext:
Die Auslegung des ersten Thessalonicherbriefs hat einen besonderen Reiz, denn sie gilt der ältesten Quelle des Frühchristentums. Paulus richtet das Schreiben ca. 41 n. Chr. an die Christen in Thessaloniki kurze Zeit, nachdem er dort eine Gemeinde gegründet hat. In dem Brief nimmt er Bezug auf den Gegenstand seiner Predigten in Thessaloniki und beantwortet Fragen der Gemeinde. Zugleich will er die Bindung zwischen sich und dieser jungen Kirche stärken. Der Inhalt des ersten Thessalonicherbriefes reicht von der Erwählung der Kirche durch Gott, den Leiden der Christen in der Gegenwart und der Denunzierung ungläubiger Juden als Menschenfeinde bis hin zur Erwartung des nahen Endes, der Wiederkunft Jesu als des Herrn noch zu Lebzeiten aller Gemeindeglieder. Zugleich nimmt der Verfasser Elemente griechischer Philosophie auf (»Alles prüft, das Gute haltet fest«). Ein Bezug auf Jesus von Nazareth fehlt in diesem Brief. Paulus hat diesen nie kennengelernt und lehrt bereits in seinem ersten Brief in griechischer Umgebung einen Glauben an den Herrn und Gottessohn, der mit dem Nazarener nichts zu tun hat. Innerhalb kürzester Zeit löste sich so das Christentum, das die nächsten 2000 Jahre der abendländischen Kultur bestimmen sollte, von seinem jüdischen Mutterboden. Amazon

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich mir aus der Bibliothek mitgenommen, um mich etwas tiefer mit dem Christentum bzw. der Religion zu beschäftigen. Dies geschieht aus beruflichen Gründen und ich denke, mit dem Urtext des Christentums liegt man da eigentlich nicht falsch.

Das Buch beginnt mit dem Thessalonicherbrief in seiner ganzen Länge, sodass man sich gleich mal einen Überblick über dessen Inhalt verschaffen kann. Ich hatte zuvor noch nie von diesem Schriftstück gehört und fand die Lektüre deshalb äusserst interessant.

Danach geht Lüdemann Stelle für Stelle durch und analysiert diese in Bezug auf die Bibel und auf damalige historische Ereignisse. Manche Sachen konnte auch ich aus dem Text herauslesen, aber vieles fand ich ziemlich verblüffend und äusserst interessant. Deshalb war ich durch das Buch auch schneller durch als erwartet.

Zwar hat das Büchlein nur ca. 150 Seiten, doch Lüdemann bedient sich einer wissenschaftlichen Sprache, die das Lesen teilweise etwas mühsam macht. Für Interessierte ist dieses Buch jedoch eine empfehlenswerte Lektüre. Ich bin gespannt, inwiefern ich von dem Wissen, das ich mir nun angelesen habe, profitieren werde können.


Gerd Lüdemann
Der älteste christliche Text
Erster Thessalonicherbrief
HC, 2012
zu Klampen!

978-3-86674-157-7

Sonntag, 24. Juli 2016

[Neu im Regal] Wenn man in einem Buchladen arbeitet...

... dann leidet der SUB. Weil man immer wieder tolle Sachen sieht. Aber der leidenschaftliche SUB-Abbauer reisst sich am Riemen und lässt es bleiben. Dachte ich zumindest. Denn obwohl ich mir kein Buch gekauft habe, so ist mein SUB dennoch vergrösstert worden. Ganz ohne mein Zutun!

 

Petra Hartlieb - Meine wundervolle Buchhandlung
Susanne Staun - Totenzimmer

"Meine wundervolle Buchhandlung" hat mir mein Chef geschenkt und das Buch von Susanne Staun hat mir mein Vorgänger mitgebracht. Wir haben über Bücher geredet (das machen Buchhändler so) und kamen auf das Thema "Dänemark" und -schwupps- hatte ich ein Buch einer dänischen Autorin.

So macht man das mit der unselbstständigen SUB-Erweiterung!

Kennt ihr eines der Bücher?
Und welche Titel sind bei euch neu auf dem SUB?

Freitag, 22. Juli 2016

[Bücher] Patrick DeWitt - The Sisters Brothers

Rückentext:
Hermann Kermit Warm wird sterben. Sein Tod wurde von dem „Kommodore“ befohlen, und die Brüder Charlie und Eli Sisters werden den Auftrag ausführen. Sie machen sich auf den Weg von Oregon nach Kalifornien, wo sie Warm aufspüren sollen. Ihre Reise durch den vom Goldrausch geprägten amerikanischen Westen wird dabei immer wieder von bizarren und blutigen Begegnungen unterbrochen. Zugleich zeigt sich, wie verschieden die beiden Brüder sind: Charlie ein eiskalter, skrupelloser Killer – Eli ein Grübler, der sich mit geradezu existenziellen Fragen beschäftigt. Als die beiden schließlich in Kalifornien eintreffen, nehmen die Ereignisse erneut eine höchst unerwartete Wendung ... Amazon

Meine Meiung:
Auch dieses Buch fiel mir in der Bibliothek auf. Das Cover hat mich einfach neugierig gemacht und noch bevor ich die Inhaltsangabe gelesen hatte, wusste ich, dass ich das Buch mit nach Hause nehmen würde. Ehrlich gesagt, wirklich viel vom Klappentext habe ich nicht gelesen, denn unterbewusst hatte ich längst beschlossen, "The Sisters Brothers" zu lesen.

Ich bin anfangs auf ein paar Rezensionen zum Buch gestossen, die alle eher mittelmässig waren. Von Hängern war die Rede, also hoffte ich einfach mal auf das Beste. Und das erhielt ich dann auch. Man sollte unbedingt erwähnen, dass man nicht mit den falschen Erwartungen an die Geschichte herangehen sollte. Wer einen wilden Western im Hollywood-Stil erwartet, wird enttäuscht werden. Ebenso all jene, die an eine Parodie im Sinne von "Wild Wild West" denken.

"The Sisters Brothers" ist weder das eine, noch das andere. Zwar spielt es im Wilden Westen und ja, es gibt Schiessereien und Blut, aber überraschenderweise ist es ein eher philosophisches Buch. Aber sehr gut verpackt. Auch ich musste mich erst reinlesen, bis mir einiges klar wurde.

In diesem Buch geht es um das Leben, den Tod und darum, sich selbst zu finden. Eine Art Coming-of-Age-Geschichte mit erwachsenen Anti-Helden. Es geht um die Beziehung zweier Brüder, die das Leben an einen Punkt geführt hat, den man auch den Point Of No Return nennen könnte. Um einen Punkt in ihrem Leben, in dem sich alles verändern wird und der kleine Bruder plötzlich der grosse Bruder wird.

Es ist ein Blick in die Seele eines Auftragsmörders, der eigentlich lieber ein Geschäft aufmachen möchte und sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Frau an seiner Seite zu haben. Ein Romantiker, der am falschen Ende der Nahrungskette gelandet ist. Eine feine und zartfühlende Seele, die genau weiss, wie man Menschen umbringt.

Klar wurde mir das, als Eli von seinem Pferd erzählte. Es war kein gutes Pferd, lahm und unbeholfen. Aber treu und ihm ergeben. Als Eli ein sehr gutes Pferd hätte haben können, wirft er einen Blick auf sein Tier und hat Mitleid. Mitleid mit seinem Pferd und deshalb behält er es. Diese Szene war für mich, als hätte man Licht in einem dunklen Zimmer entzündet. Eli ist nur seinem Bruder zuliebe in dieses Milieu hineingeraten. Er passt dort nicht hin, er fühlt sich nicht wohl und dennoch tut er es.

Genau deshalb hat mir "The Sisters Brothers" sehr gut gefallen. Eli ist ein Anti-Held mit dem ich mich dennoch gut identifizieren konnte. Er verkörpert den empfindsamen, weichen Teil einer jeder Seele, während sein Bruder der harte, kalte Part ist, den man in der Öffentlichkeit gerne zur Schau stellt.

Zwar hatte ich auch ab und zu etwas Mühe mit dem Lesefluss, aber ich führe das auf mich selber zu. In der letzten Zeite hatte ich zu viel Stress, um mich in Ruhe in ein englisches Buch zu vertiefen. Doch kaum hatte ich wieder etwas mehr Zeit, berührte DeWitt mich wieder ganz tief in meiner Seele und die Sisters Brothers, aber vor allem Eli, sind mir selbst wie Brüder geworden.


Patrick DeWitt
The Sisters Brothers
TB, 2001
Granta Publications

978-1-84708-318-0

Donnerstag, 21. Juli 2016

Jari liest... Dmitry Glukhovsky

Rückentext:
Es ist das Jahr 2035. Seit ein verheerender Atomkrieg die Erde verwüstet hat, haben die Menschen in den Tiefen der Moskauer Metro eine neue Zivilisation errichtet. Doch die vermeintliche Sicherheit der U-Bahn-Schächte trügt: Zwei Jahre nachdem Artjom die Bewohner der Metro vor einer Katastrophe gerettet hat, drohen die ideologischen Konflikte zu eskalieren. Die einzige Rettung scheint in einer Rückkehr an die Oberfläche zu liegen. Aber ist das überhaupt noch möglich? Erneut begibt sich Artjom auf eine gefährliche Reise. Eine Reise, die alles verändert...

Quelle